Hochschule Harz

Pressemitteilungen


Hier finden Sie die Artikel, die im Nachgang der Vorlesungen der GenerationenHochschule erstellt wurden und Ihnen somit einen Überblick über die Inhalte der einzelnen Veranstaltungen geben. Eine komplette Übersicht aller versandten Pressemitteilungen bietet Ihnen unser Pressearchiv.




12.04.2016 | Vorlesung April 2016, „Denken (,) lernen - und nur das vergessen, was man nie mehr braucht.“

Dr. med. Hans-Otto Lindner, Bad Harzburg

100. Vorlesung der GenerationenHochschule auf dem Wernigeröder Campus

Bad Harzburger Mediziner erklärt: „13 Wiederholungen machen unvergesslich“

Rekord bei der April-Veranstaltung der GenerationenHochschule: Bereits im Vorfeld musste die Anmeldung geschlossen werden, da sich so viele Interessierte zur 100. Vorlesung angekündigt hatten. Dank „Notbestuhlung“ fanden dennoch knapp 300 Bildungsinteressierte einen Platz im Wernigeröder AudiMax. Dr. med. Hans-Otto Lindner referierte zum Thema „Denken (,) lernen – und nur das vergessen, was man nie mehr braucht“.


Prof. Dr. Armin Willingmann, Rektor der Hochschule Harz, eröffnete die Jubiläumsveranstaltung mit beeindruckenden Zahlen: „Seit der ersten Vorlesung im Mai 2007 verzeichnen wir 19.105 Teilnehmer, wir begrüßten 81 Dozenten, darunter 32 Experten aus eigenem Hause. Das Konzept geht auch beim Anspruch generationenübergreifender Bildung auf: Unser ältester Teilnehmer wurde 1922 geboren, die jüngste Teilnehmerin 2001 – also über 80 Jahre später“, so der Hochschulleiter und Präsident der Landesrektorenkonferenz Sachsen-Anhalt.


Dozent Dr. med. Hans-Otto Lindner erklärte, dass fast alle Lernschwierigkeiten auf Zeit- und Motivationsprobleme zurückzuführen sind. Nach einer Reise durch das menschliche Gehirn und dessen Funktionsweise folgten hilfreiche Tipps: „Wird eine Information circa 13-mal mit unterschiedlichen Anknüpfungspunkten wiederholt, stehen die Chancen nicht schlecht, dass wir sie uns merken“, verriet der Mediziner, der 20 Jahre lang Chefarzt der Reha-Klinik „Haus-Daheim“ in Bad Harzburg war, wo er heute eine erfolgreiche Hausarztpraxis betreibt. Auch durch Eselsbrücken und MindMaps oder mithilfe eines Notizbuchs, was zur „Gedankenfalle“ wird, weil es Wichtiges festhält, lernen Menschen effizienter.


Der gebürtige Wolfenbütteler ging gleichzeitig auf die Grundvoraussetzung für erfolgreiches Denken ein: eine positive Lernumgebung. „Alles, was der Thalamus im Zwischenhirn als negativ markiert, wird vergessen; angenehme Emotionen hingegen unterstützen die Informationsverarbeitung“, erklärte der Experte. So sei das Lernen in Stresssituationen schlicht nicht möglich, verhindert durch eine Adrenalin-Ausschüttung. Oxytocin hingegen, das „Kuschel- und Wohlfühlhormon“, unterstützt Lernprozesse.


All jenen, die im hohen Alter noch an einem Thema „knabbern“, was sie seit der Jugend nicht richtig verstanden haben, riet der erfahrene Mediziner: „Wissen ist wie eine Pyramide. Finden Sie die Lücken im Fundament, in den Grundlagen; wenn Sie diese geschickt auffüllen, dann fällt es Ihnen auf einmal wie Schuppen von den Augen und Vieles wird klar.“ Treffende Zitate schlossen den Kreis zum Vorlesungsbeginn: „Ihr Motiv ist wichtig. Antoine de Saint-Exupéry sagte einst, dass es für den Bau eines Schiffes weniger wichtig sei, Holz zu beschaffen und Aufgaben zu verteilen – man müsse in den Menschen viel eher die Sehnsucht nach dem Meer wecken.“ Der Referent plädierte für eine achtsame Nutzung eigener Lebenszeit, denn man würde stets nur genau das üben, was man tut: „Wer viel fernsieht, übt also nur fernsehen“. Gleichzeitig sei das menschliche und gedankliche Umfeld wichtig: „Schon Lessing wusste, dass man sich die Sitten und Gebräuche derer annimmt, mit denen man sich umgibt. Außerdem gilt: ‚Du wirst woran du glaubst – und umgekehrt‘“, betonte Dr. Hans-Otto Lindner.


Die nächste Vorlesung der GenerationenHochschule findet am Dienstag, dem 3. Mai 2016, von 17 bis 19 Uhr, im AudiMax („Papierfabrik“, Haus 9) auf dem Wernigeröder Campus statt. Katrin Franke, geprüfte Pharmareferentin und ganzheitliche Ernährungsberaterin, spricht zum Thema „Wie viele Medikamente verträgt meine Leber? Multimedikation – Wahnsinn für die Leber“. Die Teilnahme ist kostenfrei. Die Anmeldung erfolgt unter www.generationenhochschule.de.



Bild: Rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer verfolgten mit großem Interesse den Vortrag von Dr. med. Hans-Otto Lindner zum Thema „Denken (,) lernen – und nur das vergessen, was man nie mehr braucht“ im AudiMax der Hochschule Harz.

Bild:Rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer verfolgten mit großem Interesse den Vortrag von Dr. med. Hans-Otto Lindner zum Thema „Denken (,) lernen – und nur das vergessen, was man nie mehr braucht“ im AudiMax der Hochschule Harz.

01.03.2016 | Vorlesung März 2016, „Integration von Flüchtlingen in Sachsen-Anhalt - Chance oder Herausforderung? Bereicherung oder Belastung?“

Jens Bullerjahn, Finanzminister des Landes Sachsen-Anhalt und Holger Stahlknecht, Innenminister des Landes Sachsen-Anhalt

Finanzminister erklärt aktuelle Situation Sachsen-Anhalts im Licht der Flüchtlingskrise

GenerationenHochschule bietet Fakten und Forum mit hochkarätiger Besetzung

Die 99. Vorlesung der GenerationenHochschule lockte über 280 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aller Altersgruppen in das Wernigeröder AudiMax. „Wir wollen heute über ein Thema diskutieren, das Politik wie Menschen im Lande derzeit besonders bewegt“, begrüßte Hochschul-Rektor Prof. Dr. Armin Willingmann das Auditorium der März-Veranstaltung. Unter dem Titel „Integration von Flüchtlingen in Sachsen-Anhalt – Chance oder Herausforderung? Bereicherung oder Belastung?“ hatte die Hochschule Finanzminister Jens Bullerjahn und Innenminister Holger Stahlknecht für eine gemeinsame Veranstaltung mit Diskussion gewonnen. Wegen der Mitwirkung am NPD-Verbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht musste der Innenminister kurzfristig absagen, so dass der langjährige Finanzminister Jens Bullerjahn die Lage im Lande anhand umfangreichen Zahlenmaterials aufzeigte. Im Anschluss daran beantwortete er im größten Hörsaal der Hochschule Harz die Fragen der Bürgerinnen und Bürger, hörte sich mit Interesse in dieser offenen Gesprächsrunde die Sorgen und Gedanken zur Flüchtlingskrise an. Moderiert wurde die Veranstaltung von Tom Koch, Leiter Unternehmenskommunikation im Harzklinikum Dorothea Christiane Erxleben. Die Präsentationsfolien des Vortrags stehen unter www.generationenhochschule.de zum Download bereit.


Der Finanzminister startete mit dem Hinweis, dass er aus dem Bergbau komme und daher klare Ansagen gewohnt sei, was das Publikum mit Applaus bedachte. Er freute sich zudem, dass die Hochschule „nicht im eigenen Saft schmort“ und mit solchen Veranstaltungen den Dialog zu aktuellen, auch brisanten Themen ermöglicht. Klar ging es auch weiter: Mit einem Bekenntnis zu Kanzlerin Angela Merkel. „Ich habe Respekt vor dieser Frau“, so Bullerjahn. Gleichzeitig betonte er, dass es unglücklich sei, wenn „die größten Schreihälse aus Regionen kommen, wo es weder Ausländer noch Flüchtlinge gibt.“ Die legendären Worte „Wir schaffen das“ formulierte er neu: „Ich sage ‚Wir kriegen das hin‘, aber es ist Chance und Herausforderung, Bereicherung und Belastung zugleich. Deutschland muss sich dem geschlossen stellen. Es wäre falsch zu sagen, dass keine Konsequenzen spürbar werden.“


Er zeigte Diagramme, erklärte Entwicklungen: „‚Das hat man doch kommen sehen‘, wird gern gesagt. Das stimmt nicht, dieses Ausmaß war nicht abschätzbar – und wir sind nicht so deppert wie gern behauptet wird“, meinte der Politiker und zeigte sich als leidenschaftlicher Europäer: „Dieses friedliche Miteinander ist ein wertvolles Gut – und Deutschland der größte Nutznießer, gerade mit Blick nach Amerika und Asien.“ Bullerjahn gab zu, dass wenn Europa mit der Flüchtlingskrise nicht umgehen könne, die Frage „Wozu brauche ich es dann?“ unvermeidbar wird. Es werde kein Europa funktionieren, in dem Geben und Nehmen nicht ausgeglichen sei.


Der Dozent erkannte die mentale Herausforderung der aktuellen Lage, betonte aber, dass Schwarz-Weiß-Diskussionen sowie angeblich einfache Lösungen bei komplexen Problemen nicht zielführend seien. Er versprach: „Keines der geplanten Projekte für die einheimische Bevölkerung wird zurück genommen.“ Zudem würden allein im Landesdienst 1.000 neue Mitarbeiter eingestellt. „Wir dürfen nicht vergessen, es gehen weit mehr Menschen aus Sachsen-Anhalt weg als ankommen. Wir müssen offener sein, dieses Land braucht Zuwanderer, die anpacken und aufbauen – und auch bei der Mittelverteilung über den Bund geht es letztendlich um Einwohnerzahlen“, gab er zu bedenken.


Während der Diskussion erreichten den Minister konkrete Fragen zu verwaltungsrechtlichen Aspekten, wirtschaftlichen Auswirkungen und der medialen Aufbereitung der Flüchtlingskrise. Auch zur Rolle Deutschlands in der Welt bezog Bullerjahn klare Position: „Seien wir weltoffen, alle schauen nach Deutschland: Abschottung hilft uns nicht! In 30 Jahren wird Deutschland sein Gesicht verändert haben, das ist auch gut so.“ Mit den Worten „Bleiben Sie wachsam – aber nicht verbiestert“, verabschiedete sich der Finanzminister, der weder dem neuen Landtag noch der neuen Landesregierung angehören wird. Das wahre Schlusswort jedoch gehörte Huong Trute, gebürtige Vietnamesin und in Wernigerode als Inhaberin eines Spezialitäten-Restaurants sowie für ihr herausragendes Engagement im interkulturellen Netzwerk bekannt. Sie richtete sich mit einem emotionalen Bericht über ihre eigene Geschichte an die Zuhörer. Mit dem Satz „Geben Sie den Neuankömmlingen eine Chance“, entließ sie die Besucher der GenerationenHochschule in den Abend.



Bild: Vor einem interessierten Publikum erläuterte Finanzminister Jens Bullerjahn aktuelle Aktivitäten der Landesregierung Sachsen-Anhalts zur Integration von Flüchtlingen.

Bild:Vor einem interessierten Publikum erläuterte Finanzminister Jens Bullerjahn aktuelle Aktivitäten der Landesregierung Sachsen-Anhalts zur Integration von Flüchtlingen.

16.02.2016 | Vorlesung Februar 2016, „Agrarwissenschaftler und Pflanzenzüchter in Quedlinburg vom 19. Jahrhundert bis heute“

Dr. Rolf Bielau, Quedlinburg

GenerationenHochschule zur Quedlinburger Pflanzenzucht-Geschichte

Vortrag beleuchtet regionale Saatgut-Forschung

Über 200 Bildungsinteressierte kamen kürzlich im AudiMax auf dem Wernigeröder Campus zusammen, um der Februar-Vorlesung der GenerationenHochschule zu folgen. Dozent Dr. Rolf Bielau gab einen Überblick zu den bedeutendsten „Agrarwissenschaftlern und Pflanzenzüchtern in Quedlinburg vom 19. Jahrhundert bis heute“ und hob damit die internationale Bedeutung sowie den Ruf als Saatgutmetropole hervor.


„Pflanzenzüchtung bedeutet für mich eine zielgerichtete Arbeit, die mit Auswahl und Kombination zur Erstellung einer neuen Sorte führt“, begann Dr. Rolf Bielau seine fundierte Präsentation, die er mit historischen Archiv-Bildern illustrierte. Im Fokus des Experten, der selbst zehn Jahre am Institut für Züchtungsforschung in Quedlinburg experimentierte, standen die vielfältigen Persönlichkeiten, welche den Erfolg der Harzregion untermauert haben. „Maßgebend war die Gründung der Gesellschaft zur Förderung deutscher Pflanzenzucht im Jahr 1908 durch Ludwig Kühle“, stellte der Köthener heraus. Denn „das Wirken des damaligen Direktors der Gebrüder Dippe AG sowie die Forschungsarbeit der erfahrenen Wissenschaftler seiner Firma trugen zur Entwicklung der bedeutenden Saatzuchtmetropole bei.“ Bereits 1850 etablierten die Brüder Gustav Adolph und Christoph Lorenz Dippe den Betrieb für Gärtnerei, Samenanbau und -handel, der 85 Jahre später auf 5.000 Hektar in und um Quedlinburg wirtschaftete: Neben Gemüse- und Blumensamen waren vor allem die Zuckerrübensamen, deren gezielte Züchtungen einen besonders hohen Zuckergehalt aufwiesen, verantwortlich für das starke Wachstum des Unternehmens. Noch heute wird der Abteigarten am Fuße des Schlossberges genutzt und ist damit der älteste deutsche Zuchtgarten.


Die umfassende Arbeit des größten Unternehmens der heutigen Welterbestadt führte 1947 zur Gründung des Instituts für Pflanzenzüchtung. Besonders die geografischen Voraussetzungen Quedlinburgs wirkten sich positiv auf die Forschungsleistung aus. „Das vorherrschende Mini-Klima mit viel Regen im Frühjahr und danach weniger werdendem Niederschlag im Sommer und Herbst eignet sich ideal für die Vermehrungsarbeit“, erklärte der studierte Pflanzenzüchter Bielau, dessen beruflicher Weg auch nach Jordanien und Tansania führte.


Der nächste Vortrag der GenerationenHochschule findet am Dienstag, dem 12. April 2016, von 17 bis 19 Uhr im AudiMax der „Papierfabrik“ (Am Eichberg 1) auf dem Wernigeröder Campus statt. Der Allgemeinmediziner Dr. med. Hans-Otto Lindner aus Bad Harzburg referiert zum Thema „Denken (,) lernen - und nur das vergessen, was man nie mehr braucht“. Die Teilnahme an der GenerationenHochschule ist kostenfrei. Die Anmeldung erfolgt unter www.generationenhochschule.de.



Bild: Zahlreiche interessierte Bürgerinnen und Bürger lauschten den Ausführungen von Dr. Rolf Bielau zum Thema „Agrarwissenschaftler und Pflanzenzüchter in Quedlinburg vom 19. Jahrhundert bis heute“ im AudiMax der Hochschule Harz.

Bild:Zahlreiche interessierte Bürgerinnen und Bürger lauschten den Ausführungen von Dr. Rolf Bielau zum Thema „Agrarwissenschaftler und Pflanzenzüchter in Quedlinburg vom 19. Jahrhundert bis heute“ im AudiMax der Hochschule Harz.

12.01.2016 | Vorlesung Januar 2016, „Deutsch. Jude. Christ. - Geschichte und Geschichten über Wernigeröder Mitbürger“

Peter Lehmann, Theologe und Pädagoge

GenerationenHochschule startet ins Jahr 2016

Wernigeröder Weltgeschichte: Heimatforscher beleuchtet jüdische Schicksale

Knapp 250 Interessierte besuchten die Januar-Vorlesung der GenerationenHochschule auf dem Wernigeröder Campus. Unter dem Titel „Deutsch. Jude. Christ.“ sprach der engagierte Heimatforscher und Theologe Peter Lehmann über „Geschichte und Geschichten“ von Wernigeröder Mitbürgern. Hochschul-Rektor Prof. Dr. Armin Willingmann begrüßte den Referenten bereits zum zweiten Mal im AudiMax und betonte: „Peter Lehmann hat für seine Vorlesung über Oberst Gustav Petri – den ‚Retter von Wernigerode‘ – schon einmal eine vielschichtige Biografie hervorragend recherchiert; auch jetzt beleuchtet er dramatische Lebenswege und zeigt, dass Weltgeschichte, Vertreibung und Verfolgung, überall passiert – und die Opfer des Rassismus auch hier im Harz Gesichter und Namen haben“.


Peter Lehmann hielt für jeden Besucher eines seiner kürzlich erschienen Faltblätter bereit. Damit begibt er sich auf die Spuren jüdischen Lebens in Wernigerode und zeigt den Gedenkweg zu den 22 hiesigen Stolpersteinen auf, welche die letzten frei gewählten Wohnorte von Opfern des Nationalsozialismus markieren. Gleichzeitig werden die bewegenden Geschichten von sieben Familien illustriert.


Der ehemalige Provinzialpfarrer begann seinen Vortrag mit einer historischen Einordnung und betrachtete den „Handel und Wandel von Juden in Wernigerode seit dem Mittelalter“. Manch Bekanntes erschien in neuem Gewand: „In der Joddenstrate, der heutigen Unterengengasse, fand einst ein Großteil des hiesigen jüdischen Lebens statt“, erklärte der Experte. Dieses sei jedoch überschaubar gewesen: Gottesdienste gab es nicht, die dafür notwendigen zehn Männer kamen nicht zusammen. 1592 wurden die Juden aus der Grafschaft vertrieben; bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts waren ihnen Aufenthalt, Wohnrecht und Betätigung untersagt. Nach der bürgerlichen Gleichstellung im Deutschen Kaiserreich siedelten sich nur wenige jüdische Familien in Wernigerode an. 1874 gab es lediglich fünf – sie machten 17 Personen von 7.000 Einwohnern aus. Zehn Jahre später waren es neun Familien, zumeist besuchten sie die Synagogengemeinde Derenburg.


Peter Lehmann beeindruckte mit fundiertem Wissen und stetigen Verweisen zum Weltgeschehen. Er beleuchtete die Abstammungstheorie der Nationalsozialisten, die Nürnberger Rassengesetze, die Pogromnacht und den Weg zur Shoa. Dabei stellte er klar: „Viele der Verfolgten wurden erst durch den Nationalsozialismus wieder zu Juden gemacht, sie lebten hier vorher völlig assimiliert, hatten zum Teil sogar ihren Glauben abgelegt“, so der Mitbegründer des Bürger-Bündnisses Wernigerode für Weltoffenheit und Demokratie.


Als Lehmann Lebenswege und Schicksale verlas, Schwarz-Weiß-Porträts auf der Leinwand erschienen, war es still im vollen AudiMax. Er stellte Familien aus Handel und Wirtschaft vor, darunter die Reichenbachs. Im heutigen ELKA-Kaufhaus führten sie ein Bekleidungsgeschäft. Lediglich Sohn Werner entkam Zwangsarbeit und Vernichtungslagern. Er starb 1992 in Brasilien ohne Wernigerode je wieder gesehen zu haben. Oder das glamouröse Ehepaar Russo. Im Treppenhaus ihrer Villa - heute eine musische Begegnungsstätte - erinnert eine Gedenktafel an die Opernsängerin und den Käsefabrikanten, die beide in Konzentrationslagern umkamen. Auch Familien aus Bildung, Kirche und Gesellschaft wurden porträtiert. Darunter Dr. Paul Regensburger. Der angesehene Lehrer wurde 1933 vor den Augen seiner Schüler von der Gestapo verhaftet. Von Verhören und Schikane gezeichnet, starb er 1942. Auch die Geschichte des evangelischen Pfarrers Bruno Benfey ließ die Zuhörer berührt zurück: Trotz Amtsenthebung und Internierung im KZ Buchenwald predigte er Zeit seines Lebens Frieden und Versöhnung.


„Nicht sechs Millionen Juden wurden ermordet. Ein Jude wurde ermordet und das ist sechs Millionen Mal geschehen“. Dieses Zitat von Abel Herzberg ist auf Lehmanns Faltblatt zu lesen. Was das bedeutet, wurde in Peter Lehmanns Vorlesung für jeden deutlich. Der Referent reagierte auch auf Kritik an dem bundesweiten Stolperstein-Projekt und entließ sein Publikum mit den Worten: „Niemand tritt die Namen derer, an die erinnert wird. Wir stolpern mit dem Herzen und den Gedanken, nicht mit den Füßen.“


Der nächste Vortrag der GenerationenHochschule findet am Dienstag, dem 16. Februar 2016, von 17 bis 19 Uhr, im AudiMax („Papierfabrik“, Haus 9) auf dem Wernigeröder Campus statt. Dr. Rolf Bielau, Experte für Pflanzenzucht, spricht über das Thema „Agrarwissenschaftler und Pflanzenzüchter in Quedlinburg vom 19. Jahrhundert bis heute“. Die Teilnahme an der GenerationenHochschule ist kostenfrei. Die Anmeldung erfolgt unter www.generationenhochschule.de.



Bild: Zahlreiche interessierte Bürgerinnen und Bürger lauschten den spannenden Ausführungen von Peter Lehmann in der Januar-Vorlesung der GenerationenHochschule zum Thema „Deutsch. Jude. Christ. – Geschichte und Geschichten von Wernigeröder Mitbürgern“.

Bild:Zahlreiche interessierte Bürgerinnen und Bürger lauschten den spannenden Ausführungen von Peter Lehmann in der Januar-Vorlesung der GenerationenHochschule zum Thema „Deutsch. Jude. Christ. – Geschichte und Geschichten von Wernigeröder Mitbürgern“.

Hochschule Harz
Dezernat Kommunikation und Marketing

Andreas Schneider
Rektoratsvilla (Haus 6), Raum 6.208
Friedrichstraße 57-59
38855 Wernigerode
Tel.: 03943/659-106
Fax: 03943/659-899
E-Mail: pressestelle@hs-harz.de